Was macht die MonaLisa im Archiv…? Das Brunnenhaus ruft!

Wer schon einmal mit dem Bus die Haltestelle „Ludwigstein“ erreicht hat, wird es kennen: Etwas versteckt am Fuße des Burgberges unweit der Werra liegt das kleine Brunnenhaus oder auch Pumpenhaus. Ein kurzer Fußweg den Eselspfad bergauf verbindet das Häuschen mit der Burg und seit gut zwei Jahren gibt es auch noch eine zweite enge Verbindung: Der „GEZ“, ein kleiner Bund ehemaliger Zivis und Burgfreiwilliger hat sich in einer Raumpatenschaft des Hauses angenommen und veranstaltet seitdem regelmäßige Bauhütten dort, um es in Schuss zu halten und neue Ideen umzusetzen.

Nach einer kleinen Postberäuner-Verschnaufpause haben sich zwei aus unserem Kreise an diesem Samstag (13.04.19) aufgemacht, dem Archiv der deutschen Jugendbewegung die ein oder andere spannende Erkenntnis aus der nun auch bald 100-Jährigen Geschichte des Brunnenhauses zu entlocken: Mona und Lisa haben mit tatkräftiger Unterstützung von Elke aus dem Archiv und Sven, der uns seine umfangreichen Arbeiten zur Geschichte des Ludwigstein für die Arbeit des AK 2020 zur Verfügung gestellt hat (Vielen Dank beiden!), Akten durchforstet, Notizen gemacht und interessante Menschen kennengelernt. So manches Licht ist uns dabei aufgegangen und spannende Details haben sich im Laufe des Tages zusammengepuzzlet…

Blätterwald im Lesesaal: Mona arbeitet sich von 1993 in die Vergangenheit, ich komme ihr von 1922 aus entgegen.

Hätte man sich im Mittelalter in der Nähe des heutigen Brunnenhauses aufgehalten, hätte man wohl nasse Füße bekommen: Von Fischteichen und einer kleinen Mühle lesen wir in Vorschlägen zur Umgestaltung des Außenbereichs aus dem Jahr 1993.

Hamster-Methode: Alles, was uns brauchbar erscheint, wird mit Fundstelle erst einmal notiert.

1924/25 errichtet, leistete das Pumpenhäuschen einen wichtigen Beitrag zur Bewohnbarkeit der Burg: Bis zu diesem Zeitpunkt musste das Wasser mühsam von der Quelle am dort bis in die 20er Jahre vorhandenen alten Schafstall mithilfe von Eseln den Berg hinaufgeschafft werden.

Vor dem unterzeichneten Ortspolizisten erscheint der Vorsitzende zur Erhaltung der Burg Ludwigstein e.V. und stellt unter Überreichung der anliegenden Zeichnungen den Antrag auf Bauerlaubnis für das Transformatoren- und Pumpenhaus mit Wärterwohnung für die Wasser- und Lichtversorgung der Burg.

Aus dem Bauantrag 1922 (AdJb Bestand A 211, Nr. 20)

In den Anfangsjahren des Projektes Jugendburg entwickelte sich der Schafstall gar zum Umschlagplatz für alle möglichen Dinge, die ihren Weg auf die Burg finden sollten. Mal war die Fahrstraße (heutiger Domänenweg) nicht befahrbar, mal reichte das Geld nur für eine Beförderung bis zum Fuße des Berges.

Wir liebten unsere Burg, obwohl wir viel Ärger dort hatten. Einmal hatten wir 100 eiserne Betten, 200 Wolldecken und eine große Ladung Stroh bekommen. Die Sachen lagen unten im Schafstall, denn der Weg zur Burg herauf war nicht zu befahren. Nun sollte jeder, der auf der Burg übernachten wollte, eine Traglast den Berg herauf tragen. Ich glaube, es gibt Leute, die mir heute noch deshalb böse sind.

Burgwart Emil Meyer in den 1920ern (AdJb Bestand A211, Nr. 123)
Burghelfer*innenbewerbung 1922: Burgwart Enno Narten wird – mit angefügtem Bild – ein „junger Mensch“ angepriesen, „der gern bereit ist auf der Burg zu helfen.“ Vegetarier sei er und kräftig zufassen könne er auch. Vielleicht hat er ja am Ende auch den ein oder anderen Stein am Brunnenhaus bewegt?

Nach dem Kriege einige Zeit (Wohn-)sitz der Geschäftsstelle der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein wurde das Haus Anfang der 90er Jahre nach mehr oder weniger erfolgreicher Vermietung an Einzelpersonen und Gruppen zum Gästehaus umgebaut. Um den Gästen dort einige Eindrücke zur Geschichte des Hauses zu vermitteln, sollen die Ergebnisse unserer Recherchen nach und nach in eine kleine Ausstellung zu aufschlussreichen Eckpunkten der Hausgeschichte münden. Ideen sind uns an diesem Samstag schon zahlreich in den Sinn gekommen – nicht zuletzt Trude Döring, Tochter Christian Schneehagens, die nach dem Krieg die Geschäftsstelle geleitet und im Pumpenhaus gewohnt hat, hat uns den Tag über begleitet und wird sicher einen Platz in der Ausstellung bekommen. Einen schönen Abschluss fanden unsere Recherchen im VJL-Zimmer, wo wir durch Zufall sogar noch einen Zinnteller zur Erinnerung an die Ludwigsteiner Hochzeit des Ehepaares Döring entdeckten.